Automatische Bauwerks- und Naturgefahrenüberwachung im Projekt Lammschlucht zwischen Schüpfheim und Escholzmatt (LU)
Im Zuge der Sanierung der Kantonsstrasse K36 zwischen Schüpfheim und Escholzmatt setzt der Kanton Luzern umfangreiche Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrs- und Bauwerksicherheit um, insbesondere zum Schutz vor Naturgefahren und zur langfristigen Sicherung der Infrastruktur in der Lammschlucht.
Umfassendes Monitoring während der Bauphase
Zur Sicherstellung der Bauwerks- und Verkehrssicherheit kamen verschiedene Mess- und Überwachungssysteme zum Einsatz:
- Automatische geodätische Überwachung mittels Totalstationen (Tachymeter)
- Hochfrequente Rissmessungen an der Brücke mit Crackmetern
- Erschütterungsmessungen, insbesondere zur Erfassung von Sprengarbeiten und Bauaktivitäten
- Echtzeit-Alarmierung bei Grenzwertüberschreitungen über eine zentrale Monitoring-Plattform
Diese Systeme ermöglichten eine lückenlose Erfassung kleinster Bewegungen und lieferten jederzeit aktuelle Informationen zum Zustand der Bauwerke.
Aufgrund der engen Platzverhältnisse in der Lammschlucht war eine temporäre Vollsperrung der K36 notwendig. Der Verkehr wurde über eine Umfahrungsstrasse auf der gegenüberliegenden Talseite umgeleitet. Da diese nicht für einen hochfrequenten Verkehrsfluss ausgelegt ist, wurde auch sie intensiv überwacht mit:
- Manuelle geodätische Kontrollmessungen
- Inklinometermessungen an vertikalen Messstellen
- Begleitende Erschütterungsmessungen und Rissprotokolle
So konnte die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden auch während der Bauzeit gewährleistet werden.
Ersatzneubau der Chlusbodenbrücke als Kernprojekt

Zentrales Element der Sanierung ist der Ersatzneubau der historischen Chlusbodenbrücke in der Lammschlucht. Der schlechte bauliche Zustand der über 110-jährigen Brücke sowie des angrenzenden Chlusstaldentunnels machte eine kontinuierliche, automatische Überwachung während der gesamten Bauzeit erforderlich. Die im Jahr 1914 erstellte Chlusbodenbrücke wurde langzeitüberwacht mit rund 30 dreidimensionalen Messpunkten, 6 Crackmetern und mehreren Erschütterungsmessgeräten. Nach der Inbetriebnahme der neuen Brücke im Dezember 2024 entsprach die alte Brücke nicht mehr den heutigen Anforderungen und wurde am 18. Februar 2025 kontrolliert gesprengt. Mit der Sprengung endete das Projekt jedoch nicht. Auch danach wird die Lammschlucht weiterhin überwacht:
- Kontrolle von Felsbewegungen im Millimeterbereich
- Überwachung des Wasserabflusses zur frühzeitigen Erkennung von Hochwasserereignissen
- Einbindung externer Messdaten in Echtzeit, unter anderem:
- Abflussmengen des Kraftwerks
- Grundwasserstände
- Mehrfachextensometer